Werkstattnotizen

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Ich finde Reformpädagogik gut, Montessori wichtig, Freiräume und große Gärten ebenfalls. Aber mir scheint es mittlerweile wichtiger, all diese Dinge in die normalen Regelschulen zu tragen, statt sie weiterhin in besonderen Zonen unter besonderen Menschen zu pflegen.

- Die netten ins Töpfchen, die fetten ins Kröpfchen

Ein lesenswerter Text der Wiener Journalistin Sibylle Hamann, die sich dem Trend ihres akdemisch-bürgerlichen Milieus widersetzt und ihren Sohn in die “normale” Volksschule schickt. Mit den Klassenkameraden Yasemin und Arslan. Ohne Montessori-Spielzeug und veganes Mittagessen.

Denn eine Tageszeitung ist, spätestens jetzt sollte das klar werden, mehr als das Papier, auf dem sie gedruckt wird. Eine Tageszeitung – wie ich sie im folgenden verstehe – besteht aus analogen (Papier) und digitalen Vertriebswegen (Web und Tablet-Versionen), eine Tageszeitung unterscheidet nicht zwischen Print- und Online-Redaktion, eine Tageszeitung ist der glaubwürdige Absender, der auf unterschiedlichen Kanälen seine Leser erreicht.

schreibt Dirk von Gehlen.

Ich selbst bin ja auch ein Tageszeitungsmensch. 12-13 Jahre lang hatte ich die Süddeutsche Zeitung abonniert und erst jetzt beim Wegzug aus München abbestellt (und das eigentlich vorrangig, weil ich hier in der Provinz nur die “Deutschlandausgabe” der SZ erhalte und mir dann jeden Tag schmerzlich die ausführliche Münchenberichterstattung fehlte…)

Tageszeitung neu denken

Aber zurück zum Text von Dirk von Gehlen, der erstens Recht hat und zweitens auf einen interessanten Punkt hinweist: auf das Selbstmißverständnis nämlich, daß eine Tageszeitung eine auf Papier gedruckte nachrichtliche Tageszusammenfassung ist, die am Frühstückstisch gelesen wird.

Das ist möglicherweise der Punkt: wieso kommt kein Verlag auf die Idee und krempelt seine Routinen um und knallt um 19 Uhr ein mit Analysen, Kommentaren, Reportagen und Hintergrundinfos ausgestattetes Tagesmagazin raus? Tagsüber gibt’s online die ständig aktualisierte Häppchenkost und dann zum Tagesabschluß den Überblick, wo nochmal das Wichtigste zusammengefasst und mit Hintergrundinfos ergänzt wird.

Sowas sollte doch Käufer bzw. Abonennten finden? Wäre ich Verleger, würde ich die paar Millionen nehmen, die ich aktuell noch irgendwo flüssig habe, und zwanzig Mann genau das entwicklen lassen, was Dirk von Gehlen skizziert. Ohne Unterscheidung zwischen Print und Online, ohne die überkommene Vorstellung, daß man eine Frühstückszeitung produziert.

Aber da sieht man, was man zu tun gezwungen ist, in unserer perfekten, abenteuerfeindlichen Vollkaskowelt mit 16 Airbags und Sicherheitsgurtstraffern, wenn es nur darum geht, andere mit etwas zu beschenken, das sie sonst nicht bekommen könnten: Wir können alles haben, immer, sofort, und deshalb ist es auch so langweilig in dieser Welt, deren Eliten sich nur noch über Geld definieren.

— schreibt Don Alphonso in seinen Stützen der Gesellschaft.

Es ist wieder mal ein hübscher Text geworden von Don, der zur Zeit recht schwermütig, manchmal fast ein wenig weinerlich ist. Hätte ich ehrlicherweise noch vor ein paar Monaten nicht gedacht, daß er sowas macht. Er, der mit so viel Lust den zynischen Krawallbruder gibt, der sich verächtlich lustig macht über die Berliner Szene und seine Marotten pflegt und zur Schau stellt. 

Wie gesagt: in den letzten Wochen klingen da immer wieder Selbstzweifel durch. Irgendjemand muß ihn schwer enttäuscht haben. Und auch mit der FAZ und seiner Blogheimat hadert er ganz offensichtlich. Ob Don noch lange dort schreibt? Egal - dann muß ich ihn wohl andernorts lesen.

Für die Piraten wäre es wohl das Beste, wenn ich wieder antreten würde", zitiert der Spiegel Aussagen von Weisband. Die 25-Jährige bestreitet jedoch, dass die Formulierung in diesem Wortlaut gefallen sei. Statt dessen habe sie gesagt: "Für die Piraten mag es vielleicht das Beste sein, aber für mich? Ich weiß nicht, ob ich für den Politikbetrieb gemacht bin.

- so ist in der SZ zu lesen.

Zum Aufstieg und Fall der Piratenpartei wäre vieles anzumerken, aber dafür ist gerade nicht die Zeit. Aktuell wird man allerdings Zeuge einer Auseinandersetzung, die in dieser Deutlichkeit selten öffentlich ausgetragen wird. Es geht um den Streitfall Marina Weisband ./. DER SPIEGEL.

Marina Weisband hat sich - soviel ist unstreitig - mit der Spiegel-Journalistin Merlind Theile getroffen und u.a. über ihre politischen Ambitionen gesprochen. Daraus ist dann dieser Artikel entstanden, der ein mögliches Comeback Weisbands in Aussicht stellt. 

Wer hat den Schwarzen Peter?

Interessant wird die Sache dadurch, daß Marina Weisband gestern ganz energisch dementierte überhaupt Aussagen getroffen zu haben, die in Richtung Comeback-Versuch zu deuten wären. Die Zitate seien komplett erfunden oder zumindest böswillig verdreht und überhaupt habe Theile sie unter Druck gesetzt, um dann ohne Rücksicht auf Gespräch und Tatsachen eine tendenziöse Geschichte zu stricken.

Heute abend konterte nun die Spiegel-Autorin. Weisband habe die Aussagen tatsächlich so gemacht, sie seien sogar von ihr autorisiert worden.

Nun steht also Aussage gegen Aussage und ich will auch gar nicht groß spekulieren, wer hier ein Foulspiel begeht. Don Alphonso überrascht mich. Für ihn ist es eindeutig Merlind Theile, die Weisbands Naivität ausgenutzt habe. (Aber es geht diesmal ja auch nicht um Frau Schramm…)

Irritation: Hat Marina Weisband ein so phänomenales Gedächtnis?

Ich kann die Sache eigentlich nicht beurteilen, mich wundert nur ein Detail: Merlind Theile beruft sich auf Notizen, die sie sich während des Gesprächs gemacht habe und die darauf basierenden Gesprächszitate, die sie (angeblich) so an Weisband zur Autorisierung geschickt habe. Das Gespräch wurde nicht aufgezeichnet, das steht fest. Doch woher weiß dann Marina Weisband, was sie im Wortlaut vor gut einer Woche gesagt hat?

Ich finde das seltsam. Sie reklamiert nun, daß aus den Zitaten "die relevanten Satzteile rausgenommen [wurden], neu zusammengesetzt und nach Belieben in neuen Kontext gesetzt, bis ich keines davon wiedererkannte."

Ich weiß nicht recht. Nicht wiedererkannt? - Ich erkenne hier durchaus Ähnlichkeiten:

  • Wortlaut Marina Weisband: “Für die Piraten mag es vielleicht das Beste sein, aber für mich? Ich weiß nicht, ob ich für den Politikbetrieb gemacht bin.”
  • Daraus wurde das Zitat: “Für die Piraten ist es wohl das Beste, wenn ich kandidiere.”

Sicher, da wurde ein Teil des Statements weggelassen - aber es ist jetzt nicht ganz, ganz anders, als es möglicherweise gesagt wurde. Und eine der beiden Gesprächspartnerinnen hatte sich währenddessen Notizen gemacht, die andere ist nach einigen Tagen nicht wirklich glücklich mit dem erschienenen Artikel.

Wenn ich’s mir richtig überlege: den Plausibilitäts- und Glaubwürdigkeitpunkt vergebe ich an Frau Theile.

Keine Sorge: Es ist nicht zu befürchten, daß ich mich - egal ob mit oder ohne Videokamera - beinahe senkrecht abfallende Skipisten hinabstürze oder (mich auf einen dünnen Gleitschirm verlassend) aus einem Helikopter springe. Dazu bin ich seit jeher zu bequem und Helden sind mir selbst in sportlicher Hinsicht immer schon suspekt.

Aber wenn man sich dieses Video ansieht (natürlich in Vollbildansicht bitte und mit Ton!), dann möchte man doch fast sofort raus in die Natur und kleine und große Abenteuer erleben.

Es sind viele beeindruckende Aufnahmen dabei, von Schnee, Eis, Wind und Wellen. Die kurzen Sequenzen der Surfer, die artistisch unter dem sich gerade überschlagenden Wellendach entlangrasen, sind klasse. Und dann ab etwa 4:25min. die Einstellungen unter Wasser und die großen Buckelwale im Hintergrund - betörend und ergreifend. Ein Werbevideo, das ich gerne zweimal angesehen habe.

Wann wird denn bitte das Schulfach Gesundheits- und Heilmittelkunde eingeführt (und meinetwegen jeweils ein Halbjahr Chemie und Physik gestrichen)?

Die Ahnungslosigkeit in Sachen Medizin, Medikamente und Wirkstoffe tut schon fast körperlich weh. Die Mehrheit der Bundesbürger hat es sich ganz offenbar gemütlich eingerichtet in einer Welt, in der es auf der einen Seite die gute, sanfte “Medizin” gibt, auf der anderen Seite die im Zweifel skrupellose Schulmedizin der Weißkittel mit ihren Apparaten. Da sind sich viele, viele Millionen ziemlich sicher.

Und sie sind sich auch sicher, daß Homöopathie eine elegante Methode ist, mit allerlei Wehwehchen fertig zu werden. Weil Homöopathie so “grün” und “sanft” und “naturheilkundlich” daherkommt. Daß Homöopathie spätmittelalterliche Magie und Schüttelkunde ist (und schlicht - was die Wirkstoffseite angeht - unwirksamer Hokuspokus), versteht dabei kein Schwein.

Achtung: Naturheilkunde wirkt!

Und dann sind plötzlich alle erschrocken oder offen entrüstet, wenn in einem Artikel geschrieben steht, daß pflanzliche Arzneien Nebenwirkungen haben und also Schaden können! Hossa! Das kann man im und am netten Text von Dennis Ballwieser nachlesen, wo u.a. auf die gefährliche Seite der beliebten Johanniskrautpräparate hingewiesen wird, die die Verstoffwechselung anderer Präparate (die evtl. der Arzt gleichzeitig verschrieben hat) verlangsamen oder schneller machen. Beides mit negativen Effekten. 

Aber am besten alles im Artikel nachlesen: Pflanzliche Arzneimittel: Gefährliches Johanniskraut

Und dann bitte kurz in die Kommentare schauen. Da wird gleich von einem Auftragsartikel der Pharmaindustrie gefaselt, der bösen Lobby der Arzneimultis und daß der Spiegel ja sonst immer die Wirkungslosigkeit von Naturheilkunde kritisiere (das ist dann meistens die Homöpathie, ihr Schnarchnasen!), jetzt aber plötzlich behaupte, daß die Substanzen doch wirken. Beides ginge ja wohl nicht usw., usf.

Es ist zum heulen…

Es hat ein bißchen was von Kafka. Da wird man plötzlich mit einem Sachverhalt konfrontiert, einer unglücklichen Sache übrigens, doch alle Bemühungen die Angelegenheit aufzuklären, führt nur dazu, daß der Fall zunehmend verworrener und auswegloser wird.

Und eine Prise Dürrenmatt scheint auch noch mit dabei zu sein. Schließlich wissen wir von Dürrenmatt, daß eine Geschichte erst zu Ende ist, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat.

Wem gehören die E-Books auf einem Reader?

Um was es geht? - Eigentlich nur um den Kindle, den E-Book-Reader von Linn aus Norwegen. Linn hat (wenn wir diesem Blogpost und der Darstellung glauben) ziemlich viele E-Books bei Amazon gekauft und eben auf ihrem Amazon-Reader abgespeichert.

Plötzlich waren all ihre abgespeicherten Bücher jedoch gelöscht und ihr Amazon-Konto gesperrt. Auf Nachfrage wird ihr vom Kundensupport nur mitgeteilt, daß ihr Amazon-Konto wohl in irgendeinem Zusammenhang mit einem anderen Konto stehe, von dem aus Nutzungsrechte verletzt wurden. Dieses Konto sei folglich gelöscht worden, Linns Konto nun auch.

Alles klar?

Tja, ich selbst bin sehr, sehr regelmäßiger und zufriedener Amazon-Kunde. Ich selbst habe keinen Kindle, dafür aber die Sprachspielerin, die damit jedenfalls zufrieden ist. Aber ihr Konto wurde ja auch nicht gelöscht. ;-(

Die ganze Geschichte von Linn und der sehr irritierenden Löschaktion von Amazon gibt es hier.

Und ich bin sehr gespannt, wie Amazon nun reagiert, wenn der Fall (hoffentlich) mehr Aufmerksamkeit gewinnt.

Es wäre glatt gelogen, würde ich behaupten, daß ich mich für Fußball interessierte. Allerdings ist es auch nicht so, daß ich prinzipiell alle Ballsportarten hasse. Und hin und wieder schaue ich auch mal Fußball. Heute abend beispielsweise. Wenn Deutschland gegen Schweden spielt.

Ich werde mir das Spiel ansehen - nicht zuletzt weil Zlatan Ibrahimović mitspielt. Der gilt als egozentrisch, arrogant und insgesamt wohl schlecht erzogen. Was mir allerdings ziemlich egal ist. Der Kerl spielt ziemlich gut Fußball. Wie man oben im Video sehen kann. Ebenso hübsch und artistisch dieses Tor (2004 bei der EM gegen Italien).

Und auch bei Freistössen ist Ibrahimović nicht ganz ungefährlich.

Man darf also auf heute abend gespannt sein. :-)

Schon seltsam: Als Sonja und Valeska (die man heute als Folk-Pop-Duo “BOY” kennt) vor drei Jahren dieses kleine Video aufgenommen haben, hatten sie keinen Plattenvertrag, keine ausverkauften Konzerte vor hunderten Zuschauern. Und doch: eigentlich hätte man es ahnen können. Da sind zwei junge Frauen, die für ihre Musik stehen, die authentisch sind und Valeskas Stimme trägt. Auch bei diesem “Stadtspaziergang” durch Zürich.

Das ist schon ganz großes Tennis. Also nicht nur dieses Hin- und Herschlagen eines Filzballs, wie es aktuell Herrschaften wie Roger Federer oder Rafael Nadal tun. Das ist vielmehr großes Tennis in der Art eines Björn Borg (Borg war bekanntlich Ende der 70er Jahre der dominierende Tennisprofi).

Leider ist Björn Borg ja Schwede, wäre er Tscheche würde es natürlich ungleich besser passen. Trotzdem: was die Band “Prag” da fabriziert, hört sich sehr fein an. Retro natürlich, optisch und akustisch. Mit charmantem Mut zum pathetisch-bombastischen Orchestereinsatz. Viel Geklingel, Bläser und Trallala. Und eine verflucht ohrwurmtaugliche Melodie. Und die hübsch gesprochenen Passagen erinnern mich verdammt an Degenhardt (aber das ist nur eine Randnotiz).

Ein Album wird wohl Anfang 2013 erscheinen. Bis dahin muß man mit dieser Single und dem nostalgischen Lobgesang auf “Sophie Marceau” vorlieb nehmen. Nora Tschirner ist im Video zu sehen und hat zusammen mit ihren Bandkollegen Erik Lautenschläger und Tom Krimi sichtlich Spaß und jede Menge netter Ideen. Vielversprechend!

Am kommenden Dienstag (16.10.2012) kommen “Prag” nach München ins Atomic Café.

0 Mal abgespielt

Was erwartet man schon groß von einer Frauenband aus Hamburg? Alles und nichts! 

Und die Erwartungen werden voll erfüllt. “Die Heiterkeit” nennen sich Stella Sommer (Gesang, Gitarre), Rabea Erradi (Bass) und Stefanie Hochmuth (Schlagzeug), wenn sie gemeinsam Musik machen. Dem Vernehmen nach stand der Entschluß gemeinsam in Rock’n’Roll-Lifestyle zu machen vor dem Erlernen der Instrumente. Also darf man vielleicht keine Wunderdinge erwarten, aber die gibt es trotzdem.

So lakonisch sang schon jahrelang niemand mehr. “Alles ist so neu und aufregend…” Das würde möglicherweise schnell fad, wenn nicht (unbedingt anhören!) nach ein paar Takten die zweite Stimme einsetzte. Nach gut 20 Sekunden passiert das und ab diesem Zeitpunkt gehört der Song (der übrigens als Gratis-Download-Song angeboten wird) zu den großartigsten Momenten deutscher Popmusik. Es rumpelt und scheppert und wenn dann im letzten Drittel rotziger Gitarrenkrach dazukommt, ist das Glück jedes Pavement- und Dinosaur-Jr.-Fans perfekt. Fein! :-)

Die Heiterkeit

Heimat ist, wo man nicht ins Museum geht.

- sagt Dorin Popa

Und Dorin schreibt in diesem kleinen Artikel noch mehr interessante Dinge über sich und München, seine Beziehung zur Stadt und die Art und Weise, wie er es anstellt München immer wieder neu und anders zu erleben.

Mit den Museen hat Dorin auf alle Fälle recht. Und auf Kirchen trifft dasselbe zu. Ich war zum Beispiel noch nie in der Theatinerkirche in München (obwohl ich bestimmt schon hundert Mal daran vorbeigegangen bin) - von Bologna, Parma oder Ravenna kenne ich dagegen jede einzelne Kapelle, die auch nur ansatzweise kulturhistorische Bedeutung hat. Aber so ist das halt. Wenn man auf Reisen ist, dann werden alle Eindrücke ganz bewußt wahrgenommen, Sehenswürdigkeiten, Museen, Kirchen werden besucht. In der “Heimat” nimmt zuviel als selbstverständlich hin. Und das Museum vor der Haustür läuft einem ja nicht weg.

Insofern sollte man Dorins Ratschläge wirklich beherzigen: mit mehr Neugier, mit offenem Blick durch die eigene Stadt. :-)